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Verlaufsprognose nach Herzerkrankung

Im Rahmen der sekundären Prävention hat sich im Laufe der letzten Jahre eine größere Anzahl von follow-up Studien mit der Erforschung der prognostischen Bedeutung der HRV, insbesondere aber von SDRR und Maßen der kardio-vagalen Hypoaktivierung für die Vorhersage des Krankheitsverlaufs bei klinisch bereits auffälligen Hochrisikopatienten beschäftigt, vor allem bei Postinfarkt-Patienten und Patienten mit Herzinsuffizienz. Die Untersuchungen belegen in großer Übereinstimmung, dass HRV-Parameter, unabhängig davon, ob sie in 5-Minuten oder 24-Stunden Messungen gewonnen wurden, einen eigenständigen prognostischen Wert zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs haben, dessen Bedeutung unabhängig von traditionellen Risikofaktoren wie der linksventrilulären Auswurfleistung oder ventrikulären Rhythmusstörungen ist. In Kombination mit diesen sind sie darüber hinaus in der Lage, die Vorhersagegenauigkeit des Mortalitätsrisikos deutlich zu verbessern. Den ersten klinisch bedeutsamen Beleg für die enorme Bedeutung der HRV als Prädiktor des Mortalitätsrisikos nach Herzinfarkt lieferte das "Multicenter Post-Infarction Project" mit der Studie von Kleiger et al. (1987) an über 800 Postinfarkt-Patienten. Die HRV der Patienten wurden innerhalb der ersten beiden Wochen nach dem Infarktereignis mittels einer 24-Stunden Messung von SDRR bestimmt. Anschließend wurden die Patienten über einen Zeitraum von bis zu 4 Jahren beobachtet. Von den Patienten, die eine gut ausgeprägte HRV aufwiesen (SDRR > 100ms), starben im Beobachtungszeitraum 9%. Bei den Patienten mit einer durchschnittlich ausgeprägten HRV (SDRR 50 – 100ms) betrug die Mortalitätsrate 13.8%. Bei den Patienten mit einer ungenügend ausgeprägten HRV (SDRR < 50ms) kam es zu einem dramatischen Anstieg der Mortalitätsrate auf 34.4%, was einem Anstieg um das 5.3-fache entspricht.

In zahlreichen neueren Untersuchungen an Postinfarkt-Patienten sowie an Patienten mit chronischer Herzinsuffizient konnten diese Befunde regelmäßig bestätigt werden (vgl. z.B. Reviews von Routledge et al. 2010 und Buccelletti et al., 2009)). So untersuchten z.B. La Rovere et al. (1998) im Rahmen einer internationalen prospektiven Multicenterstudie 1284 Patienten nach einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt (< 28 Tage) mittels einer 24-Stunden HRV-Messung und einer Messung der Baroreflex-Sensitivität. Während der nachfolgenden 21 Monate starben 44 Patienten an Herzversagen, während 5 Patienten einen nichtfatalen Herzstillstand erlitten. Das Mortalitätsrisiko erhöhte sich um das 3.2-fache bei Patienten mit geringen HRV-Werten (SDRR < 70ms) und um das 2.8-fache bei Patienten mit niedriger Baroreflex-Sensitivität (< 3ms per mmHg). Wiesen Patienten niedrige Werte in beiden autonomen Maßen auf, erhöhte sich das Mortalitätsrisiko weiter. Die 2-Jahres Mortalität belief sich auf 17%, wenn die Patienten unter den cut-offs lagen, aber nur 2% bei gut erhaltenen autonomen Indikatoren. Wurde der HRV-Parameter SDRR mit einem traditionellen Risikofaktor (linksventrikuläre Auswurfleistung) kombiniert, so erhöhte sich das relative Mortalitätsrisiko auf das 6.7-fache. Ähnliche Befunde ergaben sich auch in anderen Untersuchungen an Postinfarkt-Patienten, so z.B. in der umfassenden Studie von Camm et al. (2004) an über 3700 Patienten, sowie in Untersuchungen an Patienten mit Herzinsuffizienz (z.B. Nolan et al., 1998).

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